Geschichte der Jugendarbeit der Naturfreunde

Hier zu der Geschichte der Jugendarbeit der Naturfreunde in seinen Anfängen (die Natufreunde wurden 1895 in Österreich gegründet).

In seinem autobiographisch angehauchten Meisterwerk „Geheimnis und
Gewalt“ – einem literarischen Schlüsselwerk der deutschen Geschichte –beschreibt
Georg K. Glaserseinen ersten Kontakt mit den Naturfreunden inder Weimarer Republik:
Seite 37-38, der junge Erzähler ist in das reformpädagogische Jugendheim
„Billigheim“ gekommen:

„Aber das Billigheim war nur der Vorgarten zu einer noch größeren und
freieren Welt.
Die Erzieher waren Mitglieder der Arbeiterwandervereinigung „Die
Naturfreunde“. Sie nahmen alle Zöglinge, die ausdrücklich darum baten,
auf ihre Wanderfahrten zu den Berghütten der Naturfreunde mit, nicht
abgesondert, betreut und überwacht wie Klosterschüler, sondern inmitten
der musizierenden und singenden Jungen und Mädchen der linken
Jugendbünde. So erreichte ich die Bannmeile der Arbeiterbewegung.
Jene Zeit ist noch so nahe und erscheint mir doch schon so märchenhaft,
dass ich oft innehalten muss, um mich selbst davon zu überzeugen, dass
ich sie wirklich gelebt habe: Die Naturfreunde hatten sich zum Ziel
gesetzt, die Liebe zur Natur mit den Pflichten des Klassenkampfes zu
vereinen, oder die erstere als Vorspann der zweiten auszunutzen. Sie
entzogen helle Scharen dem Einfluss der Tanzdielen und Wirtsstuben und
führten sie ins Licht der Höhen, um, wer weiß wie, ihr Klassenbewusstsein
zu fördern. – Niemals werde ich es müde werden, die
Entstehungsgeschichte der Naturfreundehütten zu erzählen. Die Gründer
hatten die Sonntage vieler Jahreszeiten geopfert, um jeden Stein und
jeden Balken gen Berg zu tragen – ganze große Gebäude stückweise über
zehn, zwanzig Meilen bergan auf den Schultern. Stets noch mit der selben
ruhigen Freude erinnere ich mich der Wochenendfahrten und der Wiesen
vor den Hütten, auf denen eine frühliche, bunte Jugend lagerte, durchsetzt
​von junggebliebenen Ahnen des Bundes, von denen jeder den anderen mit
Du anredete.
Und ich erinnere mich der Ferienschulen, Arbeiterhochschulen oder wie sie
sich nannten. Der Lehrer, oft ein betagter, bekannter Mann der
Wissenschaft, saß nackt bis auf ein Lendentuch unter einem Baum. Um
ihn geschart, im Grase liegend, eine Gemeinde braungebrannter, nackter
Jungen und Mädchen. Jeder hatte das Recht, dem Lehrer ins Wort zu
fallen, zu fragen und zu berichtigen. Wie leicht hatten wir das Unmögliche
besiegt, aus unseren Träumen, unserer Freundschaft, der Sonne, der
Bergluft und der Gesundheit unserer Leiber eine grenzenlose Zuversicht
gewinnend.“

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