Geschichte des NHF Kalk

Einweihung 10. März 1956 (mit Bild)
40 Jahre Naturfreunde-Haus Köln-Ost (heute Kalk)

Rückblick eines der Initiatoren zum 20-jährigen Bestehen des Hauses 1976
von Hans Kierdorf (1905 – 1983)

Ja, wie kommt man auf den Gedanken, für uns Naturfreunde ein Haus zu bauen inmitten des Häusermeeres einer Industrievorstadt, nämlich in Kalk? Ich will erzählen, wie es kam. Es ist die Geschichte unseres Naturfreunde-Hauses Köln-Ost (und auch etwas die des Hans Kierdorf; d.R.).

Schon früh kam ich mit den Naturfreunden in Berührung. 15 Jahre war ich jung, da wurde ich von meiner acht Jahre älteren Schwester auf Wanderungen mitgenommen. Man zählte das Jahr 1919/20, als sich Naturfreunde wieder zusammenfanden, um ihren kulturellen und touristischen Zielen neue Impulse zu geben. Es war in der damals noch selbständigen Ortsgruppe Köln-Mülheim, wo ich die ersten Gedanken über Zweck und Ziele der Naturfreunde in mich aufnehmen durfte. Ich als „Benjamin“ bewegte mich in einer Gruppe von 38 Älteren. Für mich waren das „Alte“, waren sie doch alle im Alter von 30 bis 40 Jahren, die nach dem verlorenen Krieg und der Gründung der Weimarer Republik von großen Idealen beseelt waren. Naturfreunde-Ziel war es schon immer, den schaffenden Menschen mehr Freizeit und Erholung zu vermitteln. So entstand auch in unserer kleinen Gruppe schnell der Wunsch, einen Wanderstützpunkt zu schaffen. Wie sagte man damals so schön:

„Unsere Hütte!“ Sie lag in Oberkollenbach (bei Kürten), klein – aber romantisch. Es war ein gemietetes kleines Bauernhaus, das sehr verfallen war. Mit viel Mut und noch mehr Idealismus wurde es hergerichtet. Das ganze Baumaterial mussten wir von Bergisch Gladbach aus im Rucksack transportieren.

Sechs Jahre erfreuten wir uns an unserer Hütte; dann kam der nächste Hausbau: die Fischer-Mühle. Es folgte das Sülztal-Haus (in Lehmbach; d.R.). Wir waren erfüllt von unserem Wirken und Schaffen, bis uns 1933 der große Rückschlag traf. Unsere Organisation wurde verboten, unsere Häuser und unser Eigentum wurde beschlagnahmt. Eines konnte man uns nicht nehmen: die Liebe zur Natur und die erworbenen Freundschaft untereinander. Ein Teil der Mitglieder hielt fest zusammen. Sie wanderten auch im „tausendjährigen Reich“ und blieben ihrem Hobby treu. 1945 kam der große Zusammenbruch. Deutschland und seine Städte waren ein Trümmerhaufen. Doch wie heißt es schon bei Schiller? „… und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ So war es auch bei uns Naturfreunden.

Ja, wir waren die ersten, die ihre Organisation wieder aufbauten, und wir sind in Köln die einzigen, die aus dem vor 1933 bestehenden „Arbeitersportkartell“ übrig geblieben sind. Es ging zügig vorwärts mit dem Aufbau der Organisation. Schon bald wurde Haus Berg wieder eröffnet Aber wie konnte man in einer zerbombten Stadt den Gruppen eine Bleibe verschaffen? Aus all den Umständlichkeiten erwuchs in uns immer stärker der Gedanke an ein eigenes Heim für die Naturfreunde in Kalk. Aber wie sollte das geschehen? Jeder hatte genug mit seinen persönlichen Angelegenheiten in dieser Trümmerstadt zu tun.

In den fünfziger Jahren wurden die Überlegungen ernster. Wir hatten im Laufe der Zeit eine Gaststube gefunden, die uns an den Vereinsabenden aufnahm, doch der Zustrom neuer Mitglieder wurde immer stärker, so dass auch hier bald der Raum zu eng wurde.

Die Suche nach einem Grundstück war trotz der vielen Trümmer schwer. Das Bemühen um ein städtisches Grundstück war zunächst vergebens, private Grundbesitzer wollten möglichst viel Geld, und das hatten wir nicht. Wir besichtigten Objekte in Buchforst, in Kalk, in Gremberg, im Stadtgarten. Ich weiß nicht, wie viele in Erwägung gezogen wurden, bis uns endlich von der Stadt Haus in Oberkollenbach

eine Fläche in der Martin-Köllen-Straße zugesagt wurde. Pläne wurden vom Architekten eingereicht, alles war genehmigt, wir dachten schon an den Baubeginn, da wurde plötzlich die Genehmigung zurückgezogen. „Hier wird eine Schule gebaut“, hieß es. Uns hatte man immer gesagt, dass die Schule an der Kapellenstraße wieder aufgebaut werde.

Nun ja, wenn nicht, dann wäre da ja ein passendes Grundstück. Alles begann wieder von vorne: Verhandlungen führen, Pläne machen und einreichen, Genehmigungen abwarten. Und die kam tatsächlich in den ersten Monaten des Jahres 1954. Unter großer Anteilnahme wurde im März 1954 der „erste Spatenstich“ auf dem Trümmerfeld der alten Turnhalle getätigt. Mit großem Eifer wurde Schutt geräumt und am 12. Juni war das Grundstück vom Trümmerschutt befreit.

Am 26. Juni 1954 wurde der Grundstein gelegt. In den Grundstein wurden Tageszeitungen, Naturfreunde-Zeitschriften und unser Abzeichen eingemauert sowie eine Urkunde, in der es heißt:

„Im zehnten Friedensjahr nach dem 2. Weltkrieg helfen 200 Mitglieder unserer Bezirksgruppe Köln-Ost am Bau dieses Heimes. Unsere Vaterstadt Köln und unser Land Nordrhein-Westfalen helfen uns durch geldliche Unterstützung. Wir bauen auf den Trümmern einer alten Turnhalle, vor der an der Straße die alte Kalker Hilfsschule stand.“

Die Arbeit ging munter voran; 40% mussten wir in Eigenhilfe aufbringen in unserer Freizeit Feierabends und am Wochenende. Am 3. Oktober 1954 war Richtfest und am 21. November war das Haus unter Dach. Bis zum März 1956 nahm der Innenausbau unsere ganze Kraft in Anspruch. Außer den Putzerarbeiten und dem Anstrich wurde alles unter der Regie unserer beiden Huberts (Stracke und Mauer; d.R.) in 21.000 Arbeitsstunden geschafft.

Die geleisteten Arbeitsstunden der Mitglieder, der günstige Materialeinkauf und eine Schenkung des Arbeiterturnvereins von 5.000 DM aus einer Wiedergutmachung für ein Heim in der Merheimer Heide, das war unser Kapital. Damit (und den öff. Zuschüssen; d.R.) haben wir ein Naturfreunde-Haus erstellt, das von Regierungsbauräten auf einen Wert von 240.000 DM geschätzt wurde.

Am 10. März 1956 konnte unser Heim mit einer Feierstunde seiner Bestimmung übergeben werden. Unser Hüttenobmann (Heinrich Scherhag, Landeshüttenobmann; d.R.) stellte seine Ansprache unter die Losungsworte „Frieden – Freiheit – Freude“. Er sagte, das neue Heim sei das 25. Haus, das die Naturfreunde nach dem Krieg wieder ihr Eigen nennen können (wohl im LV Rheinland; d.R.).

Ein großer Teil derjenigen, die das Heim mitgebaut haben, ist nun alt und andere treue Freunde sind durch den Tod von uns geschieden. Sei es doch unser aller Wunsch, dass das, was wir geschaffen und erreicht haben, uns erhalten bleibt und das wir es mit Leben erfüllen.

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