„arbeitsscheu – abnormal – asozial“

Die KEAs http://www.die-keas.org/node/1  laden in Kooperation mit dem ‚Autonomen Knastprojekt‘ am Freitag, den 28.10.2011, um 20:00 Uhr in das NaturFreundehaus Köln-Kalk www.die-keas.org/naturfreundehaus ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Anti-Knast-Tage www.abc-berlin.net/anti-knast-tage-vom-28-bis-30-10-in-koeln (28. bis 30.10. in Köln) statt.
Gezeigt wird ein 30-minütiger Dokumentarfilm zur Geschichte der Berliner Arbeitshäuser, schwerpunktmäßig zum Arbeitshaus Rummelsburg. Zu Wort kommen Akteure, die etwas mit diesem Ort zu tun haben. Die Filmemacherin Andrea Behrendt wird da sein und mit uns diskutieren.
Hiernach gibt es einen Beitrag vom Arbeitskreis „Marginalisierte – gestern und heute“ zur Kontinuität der Ausgrenzung und Verfolgung der nicht Verwertbaren, der nicht Normgerechten, der „Asozialen“. Wir werden feststellen, dass die Logik der Arbeitshäuser bis hinein in die Jobcenter von heute reicht. Die Berliner Autorin und langjährige Mitstreiterin der sozialen Bewegung, Anne Allex, wird ebenfalls anwesend sein.
Anschließend werden Engagierte des Autonomen Knastprojekts in Köln kurz darauf eingehen, wie sehr die Zwangsarbeit im Knast noch vom „Ethos“ der Arbeitshäuser geprägt ist. Wir werden feststellen, dass vieles vergleichbar ist mit dem, was Erwerbslose draußen in der Behandlung durch die Jobcenter, in Ein-Euro-Jobs und sonstigen Maßnahmen erleben. Wir werden aber auch feststellen, dass die Gefangenen noch zusätzlichem Druck unterliegen. Egal, ob sie Zwangsarbeit leisten oder diese verweigern.

Das Projekt
Die Veranstaltung befasst sich mit der weitgehend „vergessenen“ Gruppe der so genannten Asozialen. Als Opfer des deutschen Faschismus wurden sie zu keiner Zeit anerkannt, sondern weiter verfolgt und diskriminiert. Gezeigt wird der Film „arbeitsscheu-abnormal-asozial“ von Andrea Behrendt, der die Geschichte des damals größten Arbeitshauses in Berlin dokumentiert und die Geschichte der so genannten Asozialen thematisiert. Die Praxis der bereits in den deutschen Gründerjahren entstandenen Arbeitshäuser zeichnete sich durch Unterdrückungsmechanismen Einkommensarmer wie Stigmatisierung, Kontrolle, Verfolgung, Arbeitszwang und Inhaftierung aus. Zwischen 1933 und 1945 wurden Menschen aufgrund von Vermutungen, Verdacht und Denunziation als „asozial“ abgestempelt. Sie wurden zunächst in Arbeitshäuser verbracht, später unter der Bezeichnung „Asoziale“ in Konzentrationslagern oder auch Heil- und Pflegestätten deportiert, mit Zwangsarbeit gequält bzw. umgebracht, wie im Buch „Ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial“ von Allex/Kalkan (Hrsg.) gezeigt wird.
Da diese Verbrechen bis heute keine hinreichende Aufarbeitung fanden, greift die Zuschreibung „Asozialität“ als Kategorie sozialer Ausgrenzung bis heute. In der politischen Auseinandersetzung und dem voranschreitenden Sozialkahlschlag gewinnt das Stigma „asozial“ parallel zu gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen wieder an Bedeutung.
Aspekte des weitgefächerten Themas betreffen Bettler und Wanderer, FürsorgeempfängerInnen, Mädchen und junge Frauen, Jugendliche, Homosexuelle, SexarbeiterInnen, Unangepasste, Mißliebige und Widerständige und Begriffe wie „Aktion ‚Arbeitsscheu Reich‘ “, „Sexzwangsarbeit in Lagerbordellen“, „Justizaktion gegen Sicherheitsverwahrte“, „Asozialität“.
Mit der Film- und Lesereise im Oktober und November 2011 durch 10 Städte im deutschsprachigen Raum soll im Kontext der Erinnerung an die so genannten Asozialen um Unterstützung für die Entstehung eines europäischen Ortes zum Erinnern und Nachdenken an die so genannten Asozialen auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses an der Rummelsburger Bucht in Berlin geworben werden. Anne Allex als eine Herausgeberin des Buches und die Filmemacherin Andrea Behrendt werden Fragen zur Entstehung des Buchs/Films beantworten und zum Gespräch anregen.

(Film, Lesung und Diskussion)

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